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5/ Beleidigungen und Verzückungen


Ist Grenzsteine zu überschreiten, sich selbst zu überschreiten?

Im August 2015 hat ein internationales Festspiel modernen Tanzes in Brüssel stattgefunden, dessen Thematik „Beleidigungen und Verzückungen“ hieß. Wir möchten das letzte Wort dieser Chorarbeit seinem künstlerischen Direktor geben, Patrick Bonté, der in seiner Vorlage des Festspieles auf klare Weise ausdrucken konnte, was wir als Abschlussgefühl weitergeben möchten.

 

Wenn wir in jedem Augenblick unseres Lebens durch die Schönheit erfasst werden können, gibt es Momente, wo die Verzückung, die sie uns inspiriert, auch eine zwiespältige Seite enthält, die unsere Emotion stört. Oder, anders gesagt, die sie komplexer, unbeständiger, reicher macht. Dies führt dazu, dass wir schwanken, in eine Intensität genommen, die uns außer Natur erscheint und die ein unbekanntes Gesicht des Daseins kurz zum Erscheinen bringt. Es ist durch die alltägliche Beleidigung, im Komfort der Sinne und des Verstandes, in der Schönheit selbst, wenn sie nur danach strebt in sauberen Bettwäschen zu schlafen, dass etwas zittert und lebt. Die Szene kann den Zeugen dieser Bewegung sein und die Künstler, die Botschafter unserer Verzauberungen werden.K

 

Keine Literatur, keine Aufführung wird jemals in der Beleidigung die Realität überschreiten, die uns aufgezwogen wird mit seinen Brutalitäten und bedrückenden Hemmnissen. Die kleinste Fernsehnachricht zeigt uns eine Gewalt, die die künstlerischen Exzesse im Vergleich sehr harmlos macht. Übrigens auf dem Gebiet schockierender oder anstößiger Werke, wurde nicht alles schon gemacht?

 

Unsere Absicht ist nicht da, man wird es verstanden haben, die Zeiten haben sich verändert und der Beleidigungsbegriff soll, besonders auf dem Gebiet der Künste der Szene überdacht werden, wo die Arbeit der Formen wie ein Filter funktioniert, der zu seltsamen Wahrnehmungen führt. Diese Formen, die Wahrnehmungen sind heute in Gefahr. Die Welt des Geldes, die uns regiert, und die nur das Gesetz des Genusses und des Gewinnes kennt, vereinfacht, abstempelt, unterdrückt und kann den freien und befreienden Charakter der Kreation nicht erkennen. Nun handelt es sich darum, abzulehnen, dass man sie in angemessenen Grenzen hält aber auch darauf zu achten, dass die Kunst gefährlich bleibt und ihre Macht nicht verliert, der Fragestellung, der Destabilisierung, der Öffnung der Möglichen. Da ist die Beleidigung.

 

Wenn in dieser Bewegung, die wir verfolgen möchten, bestimmte Handlungen als störende Sitten oder Moral angesehen werden sollten, werden wir anmerken, dass sie immer von einem Ruf an die Einsicht und die Intelligenz des Zuschauers begleitet werden. Zu seinem Humor. Diese Beleidigung ist niemals eine Verletzung, sondern vielmehr konstitutiv für das, was wir sind: Wenn wir es ins Gesicht nehmen, zeigt sie uns auch etwas über uns.

 

Die Verzückung ist zu diesem Preis.